Videoinstallation

Detlef Stein   2004   Bremen


Auf einer Projektionsfläche von 9 Quadratmetern wird der Betrachter mit Filmaufnahmen konfrontiert, deren Motive auf dem Produktionsgelände der HKM-Werke in Duisburg aufgenommen wurden. Doch nicht alle Filmsequenzen geben „lesbaren“ Einblick in die Stahlproduktion, vielmehr chiffrieren die aus ungewohnten Blickwinkeln aufgenommenen Motive einzelne Arbeitsschritte oder verwandeln sie in abstrakte Bildstrukturen. Zur Verfremdung trägt wesentlich die Beschaffenheit der Projektionsfläche bei, die aus Pyramidenschaumstoff gefertigt ist, dessen Oberfläche mit geriebener Kohle geschwärzt wurde. Ihre Grundfläche basiert auf einem Planraster, einem Schachbrett vergleichbar, auf dessen Feldern der Künstler mehrere kleine, reflektierende Stahlblechquadrate aufgebracht hat. In dieser Weise erzeugen die unterschiedlichen Oberflächenbeschaffenheiten der verwandten Materialien eine irritierende Verzerrung der auf sie projizierten Bilder. Seine Arbeit bewegt sich zwischen den Extremen von Form und Formlosigkeit: Während die viereckige Projektionsfläche und die vierseitige Beschaffenheit der Schaumstoffpyramiden ein formales Moment unterstreichen, vermitteln die verzerrten Bilder sowie die Bearbeitung des Filmmaterials als Dehnen und Raffen von Zeit einen formauflösenden Eindruck.

Christoph Damm reflektiert in seiner Arbeit die Komplexität einer arbeitsteiligen Produktion, deren Zusammenhänge der Betrachter kaum herzustellen vermag. Seine Aufmerksamkeit richtet der Künstler hierbei auf die Umwandlungen der natürlichen Ressource zum gefertigten Endprodukt – und damit auf das Verhältnis von Natur und Kultur.

Christoph Damm setzt mit dieser Arbeit seine Auseinandersetzung mit den Themenbereichen Mensch, Natur und Gemeinschaft fort. Hierbei stellt sich nicht zuletzt auch die Frage nach der Rolle des Menschen im gegenwärtigen Arbeitsalltag und sein Umgang mit den vier Elementen „Feuer - Erde - Wasser - Luft“. Der Künstler möchte für Wahrnehmungsprozesse sensibilisieren und gleichzeitig Grenzen der Wahrnehmung aufzeigen, er möchte Einblicke verschaffen, ohne dabei Grenzen zu verwischen, er regt uns zu Fragen an und versetzt uns zugleich in ein Staunen.


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